Maria Schätz und Josef Bertl: Zwei ausgezeichnete Vorbilder

Bundesverdienstkreuze für die Pflege des kranken Ehemannes und für das große Engagement in der Schule - Verleihung durch Staatsminister Huber

von Bettina Kraus
Pocking/Ruhstorf. Maria Schätz aus Pocking und Josef Bertl aus Ruhstorf haben eines gemeinsam: Seit gestern sind sie Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Die 66-jährige bekam es für die aufopferungsvolle Pflege ihres an multipler Sklerose erkrankten Mannes, der 55 Jahre alte Rektor für sein Engagement im schulischen, musikalischen und pfarrgemeindlichen Bereich. Unterschiedlicher könnte das Leben der Pockingerin und des Ruhstorfers, die sich gestern bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Staatsminister Erwin Huber in Deggendorf zum ersten Mal begegnet sind, gar nicht sein. Für Maria Schätz sind auch so kurze Fahrten wie die nach Deggendorf, so viele Stunden außer Haus, so viele Menschen um sie herum schon lange Vergangenheit. Wegen der schweren Krankheit ihres Mannes ist sie ans Haus gefesselt - und das seit vielen Jahren. Josef Bertl dagegen steht im öffentlichen Leben, sei es in der Musik-Hauptschule Ruhstorf, in musikalischen Gremien, Chören und ist in Sachen Musik viel unterwegs, um den Kindern diese Welt nahe zu bringen. Was die beiden Geehrten verbindet: Die Auszeichnung hat sie überrascht und natürlich gefreut, aber: Was sie leisten, machen sie für andere, nicht für eine Ehrung.

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Der Rektor und seine Leidenschaft für Musik

Josef Bertl hat das Bundesverdienstkreuz bekommen, weil er sich "als Rektor der Volksschule weit über das übliche Maß hinaus für die Belange der Schule einsetzt". Außerdem engagiert er sich seit über 30 Jahren im musikalischen und pfarrgemeindlichen Bereich. Hinter dieser Formulierung stecken Arbeit und Leistung eines Mannes, der es sich zu einer Lebensaufgabe gemacht hat, Kinder und junge Menschen für das Kulturgut Musik zu begeistern. Denn Josef Bertls Philosophie ist, dass Musik Aggressionen abbaut und ein Mensch ohne Musik nicht leben kann. "Ich habe Musik in den Genen, bin als Kind mit Musik infiziert und bei den Regensburger Domspatzen gefördert worden", sagt Bertl. Und diesen Virus muss man weitergeben. Worte reichen nicht, da gehören Taten her. Und davon kann Josef Bertl etliche auflisten. Nicht nur, dass er an der Schule - seit 1971 ist er in Ruhstorf - den Musikunterricht ganz allgemein gefördert hat, er stellt seit 1981, seit dem "Jahr der Behinderten", auch monatliche Begegnungen zwischen Volksschule und der Schule zur individuellen Lebensbewältigung St. Ulrich in Pocking auf die Beine. Eine gemeinsame Woche in einem Schullandheim folgt.

 

Foto: Jörg Schlegel

Viele Projekte
mit Kindern

Bertl initiierte die Patenschaft mit der Musik-Hauptschule Schärding (ab 1997) und mit der "Josef-Wenter-Mittelschule" in Meran. Und was haben die Kinder unter Federführung von Josef Bertl schon alles erlebt und geleistet: die Musicalproduktionen "Tabaluga" in Meran und "Die Kinder von Girouan" in Bad Füssing, Musikprojektwochen und viele grenzüberschreitende Konzerte. 200 Kinder proben und musizieren dann oft zusammen für ein Ziel. Internationale Projekte dieser Größenordnung sind sehr selten. Da steckt viel Kraft seitens Bertls und natürlich von Mitstreitern drin, "aber das kommt tausendfach zurück", meint Bertl. Er ist stolz auf seine musikalischen Kinder in der Schule, auf den 35 Schüler starken Chor, auf den intensiv genutzten Instrumentalunterricht.
Bertl sieht das Bundesverdienstkreuz als Anerkennung dafür, dass in Ruhstorf gezeigt wurde, dass sich in einer Hauptschule etwas bewegen lässt. Eine Auszeichnung war ja schon der Titel Musik-Hauptschule - die erste Bayerns. "Und daran haben die Kollegen auch Anteil." Als erste Schule in Bayern arbeiten die Ruhstorfer auch mit einer Kreismusikschule zusammen.
So ganz nebenbei ist Bertl Kreisjugendreferent des Dreiflüssesängerkreises Passau, leitet die Karpfhamer Sängerrunde, in Ruhstorf den Kirchenchor, ist Organist, schult Leiter von Chören, engagiert sich in kultur- und bildungspolitischen Arbeitskreisen - ein aktiver Mann im Dienst der Musik.

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