Staatsministerin Emilia Müller zeichnet Musikhauptschule Ruhstorf
mit
Europa-Urkunde aus (20.07.2009)
„Europa“, hob Rektor Josef Bertl zum
Grußwort an, „das ist geographisch gesehen zunächst das westliche Fünftel der
eurasischen Erdplatte“. Wenn da nicht dieses „zunächst“ wäre. Denn mit Europa
meint Rektor Bertl seine Schüler. Die Musikhauptschule hat den richtigen Ton
getroffen, der Europa auf menschlicher Ebene zusammenwachsen lässt. Dafür wurde
sie gestern in einer feierlichen Stunde mit der Europa-Urkunde ausgezeichnet.
Und Emilia Müller, die bayerische Staatsministerin für Bundes- und
Europaangelegenheiten, erledigte das höchstpersönlich.
In Ruhstorf ist ein Schulalltag entstanden, in dem Europa
eine große Rolle spielt. Und dass sich der Europagedanke hervorragend mit der
Musik verbinden lässt, davon versteht man hier eine ganze Menge. Mit den beiden
Partnerschulen aus Schärding und Meran pflegt die Grund- und Musikhauptschule
ein Miteinander der besonderen Art. Jedes Jahr besuchen sich die Schüler
gegenseitig und studieren zusammen Musikprojekte ein.
„Großartig“, lobt Ministerin Müller das europäische
Schulprofil. Denn es sei ja schon so, dass in Südtirol manches anders sei als in
Bayern, darauf müsse man sich einlassen, erklärte die Staatsministerin. Sie muss
es ja wissen, schließlich ist sie mit einem Südtiroler verheiratet.
Dass diese Urkunde etwas ganz besonderes ist, untermauerte
Abteilungsleiter Josef Schätz von der Regierung von Niederbayern, indem er den
strengen Kriterienkatalog für den Preis zitierte: „Multilaterale
Schulpartnerschaft“ und „innovative Projekte mit Europa-Bezug“ heißt es da. Die
Musikhauptschule erfüllt das nicht erst seit gestern, dafür sorgt mit seiner
motivierten und bescheidenen Art Rektor Bertl. Dass man es in Ruhstorf auf sechs
Stunden Musikunterricht wöchentlich bringen kann, wenn man möchte, trägt ebenso
seine Handschrift. Und er kümmert sich darum, dass Lehrer an die Schule kommen,
die den Chor leiten können, Instrumente unterrichten und Musiktheorie lehren.
In aller Deutlichkeit lobte auch Landrat Franz Meyer die
versammelten Schüler und Lehrer: „Man redet nicht nur von Europa, hier tut man
was.“ Doch der stolzeste von allen war Ruhstorfs Bürgermeister Erich Hallhuber,
der nach eigener Angabe keine Schule kenne, „die sich so für den europäischen
Gedanken engagiert“. Dieser sei bei den Bürgern noch nicht so angekommen wie bei
den Schülern, und aus diesem Grund befand er die Würdigung von „größter Stelle“
als richtig.
Tom und Gabor aus der Fünften lernen im Musikunterricht
Sopranflöte. „Weil die das müssen“, erklärt Corinna (11) und grinst ihre
Klassenkameraden an. Aber die finden’s ganz okay, auch wenn Gabor lieber Klavier
und Tom lieber Gitarre spielt. Corinna indes spielt Querflöte, so wie die
meisten Mädchen. „Querflöte und Gitarre sind der Renner“, so Rektor Bertl,
„Saxofon kommt jetzt“.
Von der Begeisterung der Schüler
spürt auch Musiklehrerin Lisa Hohenwarter eine Menge. Selbst wer kein großes
musikalisches Talent besitzt, hat Spaß: „Percussion will jeder machen.“ Und
schließlich kommt es darauf an, das jeder mitmacht. Gestern bei der Feierstunde
haben sie den Ehrengästen gezeigt, was in ihnen steckt. „Wir sind es gewohnt,
dass Musik zum Alltag gehört“, erzählt Sarah. Die Ehrung bedeutet ihr viel, aber
mehr bedeutet ihr die Musik.
Kessler A.-Ch.