Inventio 2006

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Deutscher Musikrat zeichnet Ruhstorfer Musik-Hauptschule aus


Die „1. Bayerische Musik-Hauptschule“ in Ruhstorf ist am 27. September 2006 in Würzburg mit dem mit 3000 Euro dotierten musikpädagogischen Förderpreis „INVENTIO 2006“ ausgezeichnet worden. Der Preis wird vom Deutschen Musikrat und der Stiftung „100 Jahre Yamaha“ für herausragende musikpädagogische Innovationen vergeben.
Die Musik-Hauptschule in Ruhstorf wurde in der Kategorie „Förderung der Kooperation von Musikschule und allgemein bildender Schule (Ganztagsschule) sowie anderer Institutionen und Einrichtungen“ ausgezeichnet. Die Ruhstorfer Schule ermöglicht jedem ihrer Schüler, schon ab der 5. Klasse ein Instrument zu lernen und sich musikalisch vielfältig zu betätigen. Durch Kooperationen mit weiteren Schulen aus Österreich, Südtirol und der Kreismusikschule Passau kann nicht nur Gruppeninstrumentalunterricht an der Hauptschule durchgeführt werden, es finden auch im Zwei-Jahres-Rhythmus Musicalaufführungen z. B. in Bad Füssing und Meran statt. 2003 ernannte das bayerische Kultusministerium die Schule wegen ihres Engagements zur 1. Bayerischen Musik-Hauptschule.

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Musikhauptschule holt den „Innovations-Oscar"

Ruhstorf (nö). Außergewöhnliche Ehrung: Für „herausragende musikpädagogische Innovationen“ wurde der Musikhauptschule Ruhstorf vom Deutschen Musikrat sowie der Stiftung „100 Jahre Yamaha“ der mit 3000 Euro dotierte „Inventio-Förderpreis“ verliehen - quasi der Musik-Oscar im Pädagogik-Bereich auf Bundesebene. „Um musikalische Bildung auf hohem Niveau und mit großer Breitenwirkung zu vermitteln, sind innovative musikpädagogische Konzepte unabdingbar“, betone Jury-Vorsitzender Prof. Dr. Hans Bäßler, Vizepräsident des Deutschen Musikrates, bei der Preisverleihung im Rahmen der Würzburger Bundesschulmusikwoche. Der „Inventio-Förderpreis“ solle „musikpädagogische Innovationen in ihrem Wirken unterstützen und damit aktive Anreize zur Entstehung immer neuer Projekte“ geben. „In der öffentlichen Meinung, aber auch von Eltern, wird die Hauptschule zu Unrecht gelegentlich leider als Restschule abqualifiziert“, machte Prof. Dr. Andreas Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, zu Beginn seiner Laudatio eine kritische Bestandsaufnahme. Denn: „Die Musikhauptschule Ruhstorf beweist unter Regie ihres Rektors Josef Bertl das Gegenteil: erstklassiges musikpädagogisches Engagement.“ Zur Erteilung des Instrumental-Unterrichts bestehe in Ruhstorf nach Aussage des Laudators eine „gut funktionierende Allianz“ mit der Kreismusikschule Passau. Auch erwähnte der Musikpsychologe die Partnerschaft mit der Innviertler Musikhauptschule Schärding sowie der Südtiroler Josef-Wenter-Mittelschule Meran. „Die Musikrat-Jury möchte der Ruhstorfer Modell-Institution deshalb einen bundesweiten Inventio-Förderpeis verleihen, weil hier erfolgreich praktiziert wird, wie ein weites Kooperationsnetz zwischen Bildungseinrichtungen selbst über Staatsgrenzen hinweg erfolgreich gestaltet werden kann“, begründete Prof. Dr. Lehmann die Preisvergabe. Bei einer kleinen Nachfeier im Ruhstorfer Musiksaal brach Landrat Hanns Dorfner eine Lanze für die Leistungsfähigkeit von Hauptschulen, deren Attraktivität von „Erfolgs-Modellen“ wie der Musikhauptschule gesteigert werden könne. Nicht verhehlen wollte der Landrat - gleichzeitig auch Präsident der bayerischen Sing- und Musikschulen - seinen „keineswegs einfachen Kampf“ zur Bereitstellung der erforderlichen Finanzausstattung für die Kooperation mit der Kreismusikschule. „Qualität zieht Preise an“, bündelte Leitender Schulamtsdirektor Anton Wolfer gleich ein ganzes Erfolgs-Sortiment des letzten halben Jahres, darunter auch der österreichische Aenus-Award sowie die bayerische Silber-Medaille im Mundart-Wettbewerb. „Unter der treibenden Kraft von Rektor Josef Bertl sowie der motivierten Lehrerschaft avancierte die Musikhauptschule zu einem wichtigen Sympathieträger Ruhstorfs weit über die Landes- und sogar Staatsgrenzen hinaus“, charakterisierte Bürgermeister Erich Hallhuber das „engagierte Wirken“ seiner Ex-Kollegen. Rektor Bertl gab die Lobeshymnen an die Schüler weiter, die im bevorstehenden „Carl-Orff-Jahr“ neue Akzente setzen wollten: Zum 25. Todestag des Schul-Musikers soll der Bevölkerung ein Einblick in die elementare Musik- und Bewegungserziehung Carl Orffs vermittelt werden.

(PNP vom 12.10.2006)

 

 

(Fotos: J. Nöbauer, J. Höcker)

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Kultusministerin Rheinland-Pfalz Doris Ahnen und Bürgermeister a.D. Henning Scherf nehmen INVENTIO 2006 in Würzburg entgegen

         INVENTIO 2006 zeichnet besonderes Engagement für die

musikalische Breitenbildung in Deutschland aus. 

Die Preisträger des vom Deutschen Musikrat und der Stiftung „100 Jahre Yamaha“ e.V. ausgeschriebenen musikpädagogischen Förderpreises INVENTIO 2006 wurden am 27. September 2006 im Rahmen der 26. Bundesschulmusikwoche prämiert.  

Die hochkarätige Fachjury vergab fünf INVENTIO-Preise. Darunter war der zum ersten Mal vergebene Politikpreis, der an Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend in Rheinland-Pfalz, ging, die den Preis persönlich entgegen nahm. Auch das bundesweite Projekt des Deutschen Chorverbandes „FELIX – Kleine Kinder singen gern“ gewann einen INVENTIO 2006. Der Preis wurde dem Präsidenten des deutschen Chorverbandes Dr. Henning Scherf persönlich auf der Bühne übergeben.  

Mit dem INVENTIO 2006 werden bereits zum dritten Mal herausragende musikpädagogische Innovationen ausgezeichnet. Ziel des Förderpreises ist, auf die Bedeutung musikalischer Breitenbildung für die Entwicklung sozialer und kognitiver Kompetenzen aufmerksam zu machen. Der INVENTIO soll musikpädagogische Innovationen in ihrem Wirken unterstützen und aktiv Anreize geben, damit immer neue Projekte erfolgreich entstehen. Die Signalwirkung dieser Auszeichnung steht dabei im Vordergrund. 

Als weitere Projekte wurden ausgezeichnet: „Musik in Hainholz“, Hannover, „Berufsbegleitende Qualifizierung zum Musikgeragogen“, Fachhochschule Münster und die „1. Bayerische Musik-Hauptschule“, Ruhstorf a.d.Rott/Bayern.   

„Jedes Projekt ist auf seine Art und Weise einzigartig und die Vielfalt der eingereichten Bewerbungen ist ungeahnt kreativ und tiefgehend. Darüber freuen wir uns und hoffen, dass die prämierten Projekte Vorbildfunktion für viele weitere Initiativen haben werden“, so Juryvorsitzender und Vizepräsident des Deutschen Musikrates Prof. Dr. Hans Bäßler. 

Musikalisch untermalt wurde die Preisverleihung vom Manuel Stübinger Quartett, einer Formation des Bundesjugendjazzorchesters BuJazzo.  

Mitglieder der Jury waren:

·          Prof. Dr. Hans Bäßler, Vizepräsident des Deutschen Musikrates und Juryvorsitzender

·          Prof. Asmus J. Hintz, Vorstandsmitglied Stiftung ?100 Jahre Yamaha� e.V.

·          Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates

·          Prof. Ernst Folz, Vorsitzender der Konferenz der Landesmusikräte

·         Prof. Dr. Andreas Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises musikpädagogische Forschung

Rektor Josef Bertl (l.) nimmt den INVENTIO 2006 von Prof. Asmus Hintz (r.) entgegen

 

v.l.n.r. Bernhard Eppacher, Josef Bertl, Asmus Hintz, Klaus Hatting, Hans Bäßler

(Fotos: Bayer)

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Laudatio von Prof. Dr. Andreas Lehmann

INVENTIO 2006

Kat. 1: Förderung der Kooperation von Musikschule und allgemein bildender Schule (Ganztagsschule) sowie anderer Institutionen und Einrichtungen

Laudatio zum Projekt „1. Bayerische Musik-Hauptschule

Grund- und Musik-Hauptschule Ruhstorf a. d. Rott / Herr Josef Bertl 

Wenn man heute Eltern fragt, ob sie ihre Kinder gern auf die Hauptschule schicken würden, dann gibt es nicht wenige, die dieser Schulform eher kritisch gegenüber stehen. Leider und zu Unrecht wird sie manchmal als „Restschule“ bezeichnet. Sicher ist, dass wir dort einige Kinder finden, die aus kulturell benachteiligten Elternhäusern stammen. „Bitte hier entlang!“ möchte man deshalb denen zurufen, die sich in beispielhafter Weise musikpädagogisch engagieren wollen. Diesem Ruf ist die 1. Bayerische Musik-Hauptschule in Ruhstorf an der Rott gefolgt, die heute Abend durch ihren Direktor Herrn Joseph Bertl vertreten wird.  

Ruhstorf an der Rott liegt etwa 350 km von diesem Theatersaal neben Passau am südöstlichen Zipfel der Bundesrepublik. Animiert von dem benachbarten, oberösterreichischen Modell einer Musikhauptschule wurde seit 1996 in Ruhstorf kontinuierlich an der Erweiterung des Musikunterrichtsangebots gearbeitet, bis 2003 die Schule mit ministerieller Hilfe zur 1. Musikhauptschule avancierte.  

Die Schüler bekommen an ihrer Hauptschule mehr Musikstunden als üblich und lernen in der Grundschule Flöte spielen und später ein Instrument. Angestrebt ist in der Hauptschule seit Jahren eine gesicherte instrumentale Ausbildung im Rahmen des schulischen Unterrichts auf allen Schulstufen sowie die tägliche Musikstunde. Zur Erteilung des Instrumentalunterrichts besteht eine gut funktionierende Kooperation mit der Kreismusikschule Passau. Über moderate Beiträge der Eltern und clevere Allianzen mit lokalen Sponsoren werden die finanziellen Hürden genommen. Außerdem besteht seit 1997 eine Kooperation mit der österreichischen Musik-Hauptschule Schärding und mit der Südtiroler "Josef-Wenter-Mittelschule" in Meran. Gemeinsam führen die Schulen alle zwei Jahre große Musicalprojekte durch, bei denen etwa 250 Schüler Gelegenheit bekommen, grenzüberschreitende kulturelle und soziale Erfahrungen zu machen. Sie können mir glauben: Die Ergebnisse können sich sehen und hören lassen. 

Die Jury möchte einen Inventio verleihen, weil hier erfolgreich vorgemacht wird, wie ein weites Netz an Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen, selbst über Grenzen hinweg, gestaltet werden kann. Die Breitenwirkung des Projekts wird erreicht durch die Beteiligung vieler Akteure an Konzerten sowie der großen Sichtbarkeit der musikpädagogischen Ergebnisse. Die künstlerischen Großereignisse zeitigen schulinterne musikpädagogische Wirkungen in der Fächerwahl: Wie überall müssen sich die Ruhstorfer Kinder zwischen Kunst- und Musikunterricht entscheiden. Statt bundesweit 18 % entscheiden sich hier jedoch 50 % für den Musikunterricht. Neben den vielen bekannten, positiven Effekten des Musikunterrichts im kognitiven und sozialen Bereich eröffnen sich den jungen Menschen auch verbesserte berufliche Aussichten, besonders in musikrelevanten Berufen wie Kindergärtner oder Musikfachverkäufer. Nachahmenswert! 

Ich bitte nun Herrn Direktor Joseph Bertl für die Preisverleihung zum Podium.

(Laudator: Prof. Dr. A. C. Lehmann)

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